Clemens-Brentano-Gymnasium
Dülmen
cbg-home.jpg
Herausforderung und Erfolgsgeschichte - unsere Vorbereitungsklasse
Hier ist die Vorbereitungsklasse am Weihnachtsbasar 2016 zu sehen.

Herausforderung und Erfolgsgeschichte - unsere Vorbereitungsklasse

01.01.2014

Eine echte Weihnachtsgeschichte

 

„Ich weiß nicht, wie viele Kinder unsere Schule besuchen werden, aber ich weiß, dass ich Ihre Hilfe brauchen werde.“ Mit diesen Worten teilte Schulleiter Wolfgang Weber Mitte Dezember 2015 seinem Kollegium mit, dass am Clemens-Brentano-Gymnasium Flüchtlingskinder beschult werden sollten. Kurz darauf erhielt er die Mitteilung, dass direkt nach den Weihnachtsferien die ersten Kinder kommen würden.

 

In kurzer Zeit mussten Vorbereitungen getroffen werden

 

Die Vorbereitungszeit auf diese neue Herausforderung war denkbar kurz – umso größer war die Hilfe, auf die das CBG plötzlich zurückgreifen konnte: Schon zu Beginn stellten sich Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und entsprechenden Sprachkenntnissen der erwarteten Muttersprachen zur Verfügung. Ehemalige Kolleginnen und Kollegen meldeten sich, Lehrerinnen und Lehrer, die in ihren Freistunden einspringen wollten, die Sozialpädagogin und auch Eltern und Verwandte unserer Schülerinnen und Schüler. Frau Deipenbrock, frisch gebackene Lehrerin und nur als Vertretungskraft damals am CBG, meldet sich mutig und voller Tatendrang. Glücklicherweise konnte schon zu Beginn dieser Herausforderung Frau Shaquiri am CBG im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes eingesetzt werden. Sie stand dann Frau Deipenbrock bei. Die Finanzierung erfolgte über die Lions und in Kooperation mit dem KiWo Dülmen. Ebenso fanden sich dolmetschende Flüchtlinge für jede Sprache: Hamid Alhaw, Manal Salahi und Waheedullah Hasanzai. Sie waren besonders hilfreich bei der ersten Kontaktaufnahme.

 

Ein buntes und vielfältiges Team fand sich also in den letzten Dezemberwochen des Jahres 2015 ein, um über die ersten Schritte zu beraten. „Die Familien erreichen, die Kinder am CBG einschulen und in Erfahrung bringen, welche Voraussetzungen die Kinder mitbringen - dies waren unsere Ziele der ersten Woche“, erklärt Schulleiter Wolfgang Weber. „Ein glücklicher Zufall war es, dass Frau Dr. Schilken, die Schwester unserer AG-Koordinatorin Frau Dr. Nagel, in Deutschland weilte: Sie hatte viel Erfahrung in der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache und im Umgang mit kulturell anderen Voraussetzungen.“ Auch die finanzielle Förderung dieser außerschulische Hilfe durch Lionsclub und Förderverein war eine glückliche Fügung.

 

Schnell kristallisierte sich ein Team heraus, das vornehmlich den Unterricht würde begleiten können:

 

Ein engagiertes Team aus zwei Lehrerinnen, die hauptsächlich in der Klasse unterrichteten, der  Sozialpädagogin des CBG, Maria Bistron-Fitz, ehrenamtlich unterrichtenden, ehemaligen Lehrende, wie z.B. dem ehemalige Schulleiter B. Vogt, dem Oberstufenkoordinator a.D. G. Strothkämper und Altsprachler D. Kovert. „Wir mussten uns den handfesten Fragen stellen: Wie kann Deutschunterricht ohne Brückensprache bei so unterschiedlichen Sprachsystemen gelingen? Wie kann die Balance zwischen Schrifterwerb und Kommunikationsfähigkeit gefunden werden? Welche Vorerfahrungen haben die neuen Schülerinnen und Schüler mit dem System Schule gemacht und wie können sie sich am CBG gewinnbringend einfinden? Welche Hilfen brauchen die Schüler und ihre Familien über die schulische Bildung hinaus?“, erklärt Deutschlehrerin Frau Bomas, Lehrkraft der Vorbereitungsklasse. In den Weihnachtsferien wurden Materialien für den Unterricht ausgesucht und bestellt. Ein Klassenraum wurde für die Kinder vorbereitet. Kurz vor Schulbeginn trafen sich acht Kolleginnen und Kollegen, um die Lernmaterialien für die Kinder zu sortieren und bereitzustellen.

 

Mit Hilfe von Frau Bistron-Fitz wurde die Einschulung ein Erfolg

 

Dank der persönlichen Übermittlung der Einschulungsschreiben und der individuellen, persönlichen Einladung zur Anmeldung durch unsere engagierte Sozialpädagogin Maria Bistron-Fitz kamen dann am 11. Januar 2016 alle angeschriebenen Erziehungsberechtigten mit ihren Kindern. Jedes Kind wurde mit den Eltern oder Erziehungsberechtigten begrüßt und als Schüler am CBG in einem Gespräch mit Dolmetscher aufgenommen. Dann stand es fest:

 

„Zweiundzwanzig neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler besuchen seitdem das CBG und bringen eine neue Vielfalt an Sprachen mit, die unserer Schule auf diese Weise bisher noch nicht unter ihrem Dach vereint hat. Sie kommen aus dem Irak, Iran, Syrien und Afghanistan und sprechen muttersprachlich Arabisch, Persisch (Farsi) oder Kurdisch. Wenige Schülerinnen und Schüler sprechen im Bereich der Alltagskommunikation einige Worte Türkisch und Englisch“, berichtet Frau Bomas. „Frau Deipenbrock, Frau Schilken, Frau Nagel und ich standen also vor der Aufgabe, ohne eine Brückensprache Deutschkenntnisse zu vermitteln“. Die Vernetzung zwischen der Ökumenischen Flüchtlingsinitiative Dülmen, der Stadt Dülmen und unserer Sozialpädagogin Frau Fitz half dabei durch kurze Wege und gute Zusammenarbeit.

 

Eine Vorbereitungsklasse entsteht

 

Die zugewanderten Schülerinnen und Schüler bildeten eine Vorbereitungsklasse, die in den ersten Monaten intensiv täglich fünf Stunden in der deutschen Sprache unterrichtet wurde und im gemeinsamen Mensabesuch den Schulalltag kennenlernte. Nach und nach knüpften sie durch eine schrittweise eingeführte Hospitation in ihren „Patenklassen“ Kontakte zu gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen. „Die Patenschüler der Klassen haben sich wirklich auf diese Aufgabe gefreut“, erinnert sich Klassenlehrerin Michaela Hackenberg-Wiggermann. „Als ich damals nach jeweils zwei Paten für ein Kind der Vorbereitungsklasse gefragt habe, mussten wir wegen der großen Hilfsbereitschaft losen. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr offen und brachten in der Vorbereitung auf den ersten Besuch in unserer Klasse viele gute Ideen ein.“

 

Während die Heterogenität bezüglich des Alters der zugewanderten Schülerinnen und Schüler, die im Alter von elf bis fünfzehn Jahren an das CBG kamen, im täglichen Deutschunterricht eine große Herausforderung für innere und externe Differenzierung darstellt, birgt dies für die Zuordnung zu altersgleichen Klassen Vorteile: Nicht mehr als drei Schülerinnen und Schüler besuchen, seit dem Schuljahr 2015/2016 in fester Zuordnung, eine Patenklasse der Jahrgangsstufen fünf bis neun. 

 

Positive Bilanz nach gut einem Jahr

 

„Nach einem ressourcenintensiven, aber gelungenen ersten Halbjahr können wir eine insgesamt positive Bilanz ziehen,“ fasst das Team der Vorbereitungsklasse zusammen. „Dies liegt auch an der enormen Personalbereitstellung und der ehrenamtlichen Übersetzungs- und Kulturvermittlungsarbeit, die unsere ebenfalls geflüchteten Dolmetscher Waheedulla Hasanzai und Manal Salahi leisten.“ So konnten viele Erwartungen erklärt und basale pädagogische Arbeit geleistet werden. Als sehr hilfreich erwiesen sich auch die vom CBG in Zusammenarbeit mit der Ökumenischen Flüchtlingsinitiative Dülmen vermittelten Patenfamilien, die den Zugewanderten im häuslichen Bereich enorme Hilfestellungen boten.

 

Seit dem zweiten Halbjahr erhalten die neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen je insgesamt 10 bis 12 Wochenstunden Deutsch-Unterricht als Zweitsprachenerwerb bei insgesamt vier Lehrkräften. „Die Kinder sind jetzt Teil ihrer neuen Klassengemeinschaften geworden. Sie nehmen an Wandertagen teil, sie fahren mit auf Klassenfahrten, sie schließen Freundschaften,“ berichtet Frau Nagel.

 

Weitere Ziele und Herausforderungen sind zu meistern

 

Das Schwerpunktlernziel des neuen Halbjahres ist hoch gesteckt: Die zugewanderten Schülerinnen und Schüler sollen schrittweise auch selbstständig in ihrem eigenen Lerntempo anhand einer Lerntheke lernen und erhalten dabei vom CBG-Abiturienten Jonas Wöstmann und aus der Elternschaft der Schule, v.a. von Frau Dr. Nagel und Frau Cruse, zusätzliche Unterstützung. „Über eine großzügige finanzielle Unterstützung vom Lions Club konnten wir etwa 10 Schülerinnen und Schüler über unser schulinternes Vorhilfeprogramm „Schüler helfen Schülern“ weiter fördern“, freut sich Herr Weber.

 

Es gibt noch viele offene Fragen  - beispielsweise nach möglichen Abschlüssen und weiteren Bildungswegen für die so heterogenen Schülerinnen und Schüler der Vorbereitungsklasse.  Die Hilfestellung bleibt jedoch bestehen: CBG-Vorbereitungsklassen-Team, Ansprechpartner der Stadt Dülmen, die ÖFID, Patenfamilien und Vormündern sowie das Team „Zukunftsschulen NRW versuchen gemeinsam, Lösungen zu finden.

 

Die Zeit vergeht schnell – auf Weihnachten 2015 folgt nun schon Weihnachten 2016. „Wir haben viel erreicht. Unsere Schüler kommen regelmäßig und gerne zum CBG, um bei uns zu lernen – besonders Deutsch, aber auch im weiteren Unterricht. Natürlich prägen nach wie vor kulturelle Unterschiede unser tägliches, gemeinsames Leben. Denn: echte Integration braucht einen langen Atem und fällt nicht vom Weihnachtshimmel“, so Frau Bomas.

 

Und wie wird es weitergehen? Das Team der Vorbereitungsklasse entwickelt nun Lebens- und Berufsperspektiven für jeden einzelnen Schüler der Mittelstufe. Die ältesten Schülerinnen und Schüler werden die Schule zum neuen Schuljahr zum Berufskolleg verlassen. Um herauszufinden, welche beruflichen Neigungen vorliegen oder entwickelt werden können, arbeitet das Team eng mit Jugendberufshilfe, den zuständigen Mitarbeitern des Berufskollegs, der Stadt Dülmen, dem Team der Zukunftsschulen und dem KAOA-Kompakt Team des CBGs zusammen. Einige Schüler konnten schon in Praktika vermittelt werden, die in den Ferien oder im Nachmittagsbereich Einblicke in die deutsche Berufswelt bieten konnten. „So hoffen wir, erste zaghafte Schritte in eine realistische berufliche Zukunft zu wagen.“

 

Intergration am CBG - unsere reale Weihnachtsgeschichte

 

Trotz aller Schwierigkeiten und aller offenen Probleme ist dies eine reale Geschichte, die Mut macht! Diese Arbeit ist eine echte Weihnachtsgeschichte – Menschen in Not sind gekommen und haben Hilfe und Unterstützung gefunden.

 

 

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen.  Mehr Informationen
einverstanden