Clemens-Brentano-Gymnasium
Dülmen
cbg-home.jpg

Clemens Brentano

Brentano - Bild: Emilie Linder (nach 1833)
Brentano - Bild: Emilie Linder (nach 1833)

Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche (* 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz); † 28. Juli 1842 in Aschaffenburg) war ein deutscher Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der Heidelberger Romantik.

 

Leben

Clemens Brentano war der zweite Sohn des Frankfurter Kaufmanns Peter Anton Brentano (aus der Linie der Brentano di Tremezzo) und der vom jungen Goethe verehrten Maximiliane von La Roche, damit ein Enkel von Sophie von La Roche. Der in vielen Lexika anzutreffende zweite Vorname „Maria“ gehört nicht zu seinen Taufnamen. Der Name wird sehr oft Clemens von Brentano geschrieben, doch beruht diese Nobilitierung des Dichters auf einer Verwechslung mit dem Diplomaten Clemens von Brentano di Tremezzo (1886-1965), der mit Clemens Brentano nur entfernt verwandt ist (ein Ururenkel seines Stiefbruders Franz Dominicus Brentano).

 

Zu seinen zahlreichen Geschwistern gehörten Bettina Brentano, Georg Brentano, Christian Brentano, Sophie Brentano, Ludovica Brentano ("Lulu"), Kunigunde Brentano („Gunda“), die mit dem Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny verheiratet war, sowie Magdalene ("Meline") Brentano (verh. von Guaita).

 

Clemens Brentano benutzte in seinen ersten Veröffentlichungen den Namen Maria als Pseudonym und hat stets den 8. September, den katholischen Feiertag von Mariä Geburt, als seinen Geburtstag angegeben.

 

Clemens Brentano wurde katholisch getauft und wuchs in Frankfurt am Main und in Koblenz auf. Nach dem Scheitern einer kaufmännischen Lehre 1797 studierte er jeweils nur wenige Semester in Halle Bergwissenschaften und ab 1798 in Jena Medizin. Statt sein Studium abzuschließen, widmete er sich aber immer mehr seinen literarischen Neigungen. In Jena lernt er die Vertreter der Weimarer Klassik (Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried von Herder, Johann Wolfgang von Goethe) und der jungen Romantik (Friedrich Schlegel, Johann Gottlieb Fichte und Ludwig Tieck) kennen. Von den Werken und literaturtheoretischen Schriften der Jenaer Frühromantik lässt Brentano sich zu seinen ersten Werken anregen, vor allem zu dem Roman Godwi, in dem auch einige der bekanntesten Gedichte Brentanos enthalten sind (Zu Bacharach am Rheine, Sprich aus der Ferne, Ein Fischer saß im Kahne).

 

1801 in Göttingen, wo er als Student der Philosophie eingeschrieben ist, lernt er Ludwig Achim von Arnim kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft und Liebe verbindet und mit dem er 1802 eine Reise auf dem Rhein unternimmt. In den nächsten Jahren wohnt er bis 1811 immer wieder übere längere Zeiträume hinweg mit Arnim zusammen.

 

Nach seiner Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau zieht er 1804 nach Heidelberg, wo er mit Arnim die Zeitung für Einsiedler und die Volksliedsammlung "Des Knaben Wunderhorn" herausgibt. Seine Frau stirbt 1806 bei der Geburt des dritten Kindes; auch die beiden ersten Kinder sind früh nach ihrer Geburt gestorben. Wenige Monate später heiratet Brentano Auguste Bußmann, behält aber sein Wanderleben bei (Aufenthalte in Kassel und Landshut). Die zweite Ehe wird 1814 geschieden.

 

Seit Ende 1809 hält er sich in Berlin auf, wo er am literarischen Leben teilnimmt und an seinem (bereits seit 1802 entstehenden und erst postum veröffentlichten) Versepos "Romanzen vom Rosenkranz" und an den (ebenfalls erst nach seinem Tod erschienenen) "Rheinmärchen" arbeitet. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der seit 1810 bestehenden Deutschen Tischgesellschaft, deren antijudaistische, zum Teil in Antisemitismus übergehende Tendenz er u.a. mit seiner Schrift "Der Philister" vor, in und nach der Geschichte aktiv unterstützte. Antijudaistische Anspielungen begegnen auch in vielen weiteren seiner nach 1810 entstandenen Werke; als Vorläufer des modernen rassistischen Antisemitismus lässt Brentano, der sich selbst oft als "ewiger Jude" bezeichnete und von Zeitgenossen (etwa Caroline Schlegel) zusammen mit seiner Schwester Bettina für "jüdisch" gehalten wurde, sich jedoch nicht verstehen.

 

Nur kurze Zeit währte seine Mitarbeit an Heinrich von Kleists Berliner Abendblättern, sie endete nach Differenzen mit Kleist.

 

1811 reist Brentano von Berlin ab, um sich die nächsten beiden Jahre in Böhmen und seit 1813 in Wien aufzuhalten. In dieser Zeit entstehen die Dramen "Aloys und Imelde" (erst 1912 veröffentlicht) und "Die Gründung Prags" (1815 im Druck erschienen). Der Versuch, sich in Wien als Bühnenautor zu etablieren, führt zu einem eklatanten Misserfolg.

 

Seit seiner Rückkehr nach Berlin im Jahr 1815 befindet sich Brentano in einer Lebenskrise, die ihn zunächst zur pietistischen Erweckungsbewegung und schließlich zur Rückkehr zur katholischen Kirche führt. Dieser Schritt wurde motiviert durch die Bekanntschaft mit der Pastorentochter Luise Hensel, die er Ende 1816 kennenlernt. Zunächst erwägt der geschiedene Brentano den Übertritt zum Protestantismus, um Luise Hensel heiraten zu können. Als sie seinen Antrag zurückweist, bemüht er sich um die Bekehrung der Freundin zur katholischen Kirche; 1818 konvertiert sie. Er legt 1817 die Generalbeichte ab und inszeniert seinen Verzicht auf weltliches Dichtertum, ohne sich doch in Wirklichkeit von der Dichtung zu verabschieden. Die Luise Hensel gewidmete Lyrik (u.a. O schweig nur Herz, Ich bin durch die Wüste gezogen) verbindet Elemente frühromantischer Dichtungstheorie mit religiösen und erotischen Themen. Etwa seit 1816 entsteht auch ein Teil der Italienischen Märchen, darunter die erste Fassung von Gockel, Hinkel und Gackeleia.

 

1818 löste er seinen Berliner Hausstand auf, um die nächsten sechs Jahre im westfälischen Dülmen die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick an deren Krankenlager in vierzig Foliobänden aufzuzeichnen. Wie sich in Untersuchungen, die während des ersten Seligsprechungsverfahrens Anna Katharina Emmericks unternommen wurden, erwies, vermischte Brentano in seinen Aufzeichnungen ihre Aussagen mit eigenen Anmerkungen sowie dichterischen Passagen, weshalb es nach heutigem Kenntnisstand schwierig ist, den Inhalt dieser Visionsprotokolle zu bewerten.

 

Nach dem Tod der Emmerick (1824) lebt Brentano an wechselnden Orten, ab 1829 in Frankfurt und ab 1833 in München. In dieser Zeit arbeitet er an Büchern, in denen er die Visionsaufzeichnungen verarbeitet: Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu Christus (1833), Leben der heiligen Jungfrau Maria (1852, postum), Lehrjahre Jesu (1858-1860 in einer Bearbeitung von Karl Erhard Schmoeger erschienen; authentische Ausgabe zuerst 1983) und eine Biographie Anna Katharina Emmericks (unvollendet; 1867-1870 in Schmoegers Bearbeitung; authentische Ausgabe zuerst 1981). Diese Werke wurden gegen Brentanos Willen als Erbaungsbücher gelesen und weltweit in riesigen Auflagenzahlen verbreitet. Ihr Einfluss ist in Teilen des romanischen und amerikanischen Katholizismus noch heute ungebrochen. Mit seinem Buch "Die Barmherzigen Schwestern" (1831) unterstützte er die Einführung der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in Deutschland; zugleich ist das Werk einer der Höhepunkte deutscher Prosa. Als Organisator laikaler sozialkaritativer Tätigkeiten, die bei Brentano stets mit der Pflege enger persönlicher Beziehungen zu Frauen verbunden waren, kommt Brentano eine nicht unerhebliche Bedeutung in der Vorgeschichte des katholischen Vereinswesens zu.

 

1833 lernt Brentano in München die Schweizer Malerin Emilie Linder kennen. Wie bei früheren Frauenbekanntschaften wiederholten sich Liebeswerbung um sie und Bekehrungsbemühungen; wie früher entzog sich die Freundin diesen Zumutungen, ohne aber von ihnen ganz unbeeindruckt zu bleiben. Sie konvertierte nach Brentanos Tod zur katholischen Kirche. Im Zusammenhang mit Brentanos später Liebe zu ihr entsteht sein lyrisches Spätwerk, das neben den Gedichten Goethes, Hölderlins und Heines die eigenartigste und bedeutendste lyrische Leistung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt (u.a. Ich darf wohl von den Sternen singen). Wie die Linder-Lyrik, so knüpfen auch die in den 1830er Jahren entstandenen Märchenromane (Fanferließchen Schönefüßchen, zu Lebzeiten unveröffentlicht; Gockel, Hinkel und Gackeleia, 1838 erschienen) an das dichterische Werk aus der Berliner Zeit 1810-1818 an; zu den komplexesten und interessantesten seiner Arbeiten gehört das 102 Strophen lange Gedicht "Alhambra".

 

Neben diesen hochartifiziellen Werken beteiligt Brentano sich zeitweise aktiv an der propagandistischen Tätigkeit des katholischen Kreises um Joseph von Görres. Inwieweit er die politischen Absichten des restaurativen Konservatismus teilte, ist eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Zeitgenossen, unter denen manche ihn für einen Satanisten oder für eine "dämonische" Gestalt hielten, fiel die irritierende Vieldeutigkeit seines Lebenswandels und seiner mündlichen und unveröffentlichten schriftlichen Äußerungen auf, die sich mit dem Bild des frommgewordenen alternden Dichters schlecht vereinbaren ließ.

 

Die Orthodoxie seiner "religiösen" Werke war immer umstritten, es kam jedoch nie zu einer Indizierung der außerordentlich erfolgreichen Werke durch die römische Indexkongregation. Nach dem ersten vatikanischen Konzil haben sich auffällig viele von Brentanos ehemaligen, zu dieser Zeit noch lebenden Freunden und Bekannten von der Kirche abgewandt, ebensoviele aber gehörten zu den besonders entschiedenen Anhängern der Kirche.

 

Die letzten Lebensjahre Brentanos waren von Schwermut geprägt. Er starb 1842 in Aschaffenburg, im Hause seines Bruders Christian.

 

Der große Teil seiner dichterischen Werke war zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht geblieben und wurde erst nach seinem Tod herausgegeben, von seiner Schwägerin Emilie Brentano, der Frau seines Bruders Christian Brentano, und Joseph Merkel. (Gesammelte Schriften)

 

Seit 1975 erscheinen die Sämtlichen Werke und Briefe in historisch-kritischen Editionen (sogenannte Frankfurter Brentano-Ausgabe, begründet von Jürgen Behrens, Detlev Lüders und Wolfgang Frühwald), in denen viele Werke erstmals im ursprünglichen Wortlaut wiedergegeben werden.

 

Besondere Verdienste um die Erschließung von Leben und Werk Brentanos haben sich Wolfgang Frühwald, Bernhard Gajek und Konrad Feilchenfeldt erworben.

 

Zu seiner Erinnerung stiftete die Stadt Heidelberg 1993 den Clemens-Brentano-Preis.

 

(Wikipedia)