Clemens-Brentano-Gymnasium
Dülmen
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Lernzeiten und Lernwerkstätten am CBG

Beispielstundenplan einer 7. Klasse

Beispielstundenplan einer 7. Klasse

Am CBG gibt es in der Sekundarstufe I keine traditionellen Hausaufgaben mehr. An ihre Stelle ist die Bearbeitung von (Schul-)Aufgaben in den Lernzeiten bzw. in der Lernwerkstatt getreten.

 

Der selbstständige Lerner - das Lernen lernen

Von Beginn an und mit der Zeit immer mehr sollen die Schülerinnen und Schüler selbst Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. In allen Jahrgangsstufen gibt es daher eine sog. „Lernen-lernen-Stunde" bei einem Mitglied des Klassenleitungsteams, in der das Lernen-lernen immer wieder zum Gegenstand gemacht wird. Es geht dabei um die Organisation der eigenen Arbeit und des Arbeitsplatzes, um Zeitmanagement, um Methoden und Kommunikation, um verschiedene Organisationsformen, um Defizitbewältigung ebenso wie um die Entfaltung von Stärken und Talenten u.a.m.

Das gemeinsame Ziel, das wir verfolgen, ist, der Vision von einem selbstständigen Lerner immer näher zu kommen.

 

Beispiel Wahlaufgabe
Beispiel-Projektaufgabe

Beispiele für Wahl- und Pflichtaufgaben

Organisation und Gestaltungsmerkmale von Lernzeiten und Lernwerkstätten

Erprobungsstufe - Lernzeiten

In der Jahrgangsstufen 5 sind im Stundenplan drei  und in der Jahrgangstufe 6 vier Lernzeitstunden ausgewiesen, je eine für Deutsch, Englisch und Mathematik. In Jg. 6 kommt  eine Lernzeitstunde für die 2. Fremdsprache (Latein/Französisch) hinzu. 

 

In den Hauptfächern wird die Lernzeit durch die jeweilige Fachlehrkraft betreut. Mehr und mehr übernehmen die Schülerinnen und Schüler in den Lernzeiten Verantwortung für ihr Lernen und Arbeiten. Neben Pflichtaufgaben werden Wahlaufgaben angeboten. Im Jg. 6 wird zunehmend mehr nach Wochenplan bearbeitet - gerade auch als Vorbereitung auf die ab Jg. 7 stattfindende Lernwerkstatt.

 

Mittelstufe - Lernwerkstatt

Ab Jg. 7 ändert sich die Organisationsform deutlich. Aus den bisherigen Lernzeitstunden werden die Lernwerkstattstunden. Letztere ist weitgehend in Doppelstunden organisiert und für alle Klassen einer Jahrgangsstufe zeitgleich.

 

Die Räume der Klassen einer Jahrgangsstufe liegen auf einem Flur nahe beieinander. Gesonderte Gruppenräume können hinzugeschaltet werden. Es gibt je eine Deutsch-, Englisch-, Mathematik- und Fremdsprachenwerkstatt, ggf. ergänzt um ein Silentium.

 

Die jeweilige Werkstatt wird durch eine Fachlehrkraft der Jahrgangsstufe betreut. Je Fach haben die Lernenden Pflichtaufgaben im Umfang von ca. 20-25 min zu bearbeiten. Sie entscheiden selbst, wann und wie lange sie welche Aufgaben wo in der Lernwerkstatt bearbeiten.

 

Die jeweiligen Pflichtaufgaben werden von den Fachlehrkräften gestellt. Diese Pflichtaufgaben sollen insgesamt nur etwa die Hälfte der Lernwerkstattzeit ausmachen, damit noch genügend Zeit vorhanden ist, sich um grundlegende Problembearbeitung (Defizitaufarbeitung) und/oder Begabungs-/ Talententfaltung zu kümmern. Dafür müssen geeignete und hinreichend viele Wahlaufgaben im Angebot sein, aus denen die Lernenden auswählen können. Aufbau und Weiterentwicklung dieses Angebots obliegt den in den Lernzeiten bzw. Lernwerkstätten eingesetzten Fachlehrkräften.

 

Bei den Werkstattlehrkräften können die Schülerinnen und Schüler sich Beratung und Unterstützung holen. Hier gibt es auch Wahlaufgaben im Angebot, um vorhandene Defizite aufzuarbeiten oder um Fachkenntnisse und -methoden zu vertiefen. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler können sich auch mit Projektaufgaben befassen, die allen Fächern entstammen können und von den jeweiligen Fachlehrkräften angeboten und betreut werden.

 

Solche Projektaufgaben können dann auch in der Mediothek der Schule bearbeitet werden. Dort stehen neben Büchern und Nachschlagewerken auch Computerarbeitsplätze zur Verfügung, an denen z.B. recherchiert werden kann. Eltern führen dort ehrenamtlich Aufsicht.

  

Kommunikation und Mitwirkung

Im jeweiligen Fachunterricht werden die zu bearbeitenden (Pflicht-)Aufgaben gestellt. Diese sollen aus dem Unterricht hervorgehen und in geeigneter Weise möglichst nach der Bearbeitung auch wieder in den Unterricht Eingang finden.

 

Haben die Lernenden in der Lernwerkstatt Fragen, wenden Sie sich zwecks Beratung bzw. Unterstützung an die Lehrkraft in der fachspezifischen Werkstatt. Die Tätigkeit in der Fachwerkstatt ist sehr anspruchsvoll und geht weit über eine Aufsichtsführung hinaus. Am besten beschreibt wohl der Terminus "Lerncoaching" die hier erwartete Tätigkeit: Beratung und Hilfestellung bei den konkret zu bearbeitenden (Pflicht-)Aufgaben, Diagnosetätigkeiten, Angebote von Wahlaufgaben, die eine verstärkte Auseinandersetzung mit erkannten Problemfeldern ermöglichen, oder auch Angebote an Wahlaufgaben, die deutlich über den aktuelle "Stoff" hinausgehen und den Interessen, Neigungen bzw. Begabungen der Lernenden entgegen kommen. Oder auch die Ermunterung, sich einer noch weitergehenden Projektaufgabe zu stellen.

 

Natürlich ist hier auch immer wieder die Rückkopplung mit der jeweiligen Fachlehrkraft der/des betreffenden Schülers/-in notwendig und sinnvoll. Ebenso natürlich mit der jeweiligen Klassenleitung. Bei Projektaufgaben werden weitere Fachlehrkräfte, z.B. auch der sog. Nebenfächer mit eingebunden, die zu involvieren sind.

 

Beispiel Wochenplan

Beispiel eines Wochenplans aus einem Lernplaner

Der Lernplaner - ein ganz zentrales Dokument 

Ganz zentrales Dokument ist der jeweilige Lernplaner, den jede(r) Lernende besitzt. Ebenso gibt es jeweils einen Klassenlernplaner, der auf dem Lehrerpult zu finden ist. Hier werden alle gestellten Aufgaben dokumentiert, die die bzw. der Einzelne wahrzunehmen hat. Aus dem Lernplaner wird dann auch ersichtlich, wer wann welche Wahlaufgaben bearbeitet hat. Hier findet man auch die etwaigen Projektabsprachen.

 

So sind der jeweilige Lernplaner und Lernwerkstattordner, in dem alle Aufgaben und Bearbeitungen zusammengetragen werden, wichtige Dokumente für alle an diesem Prozess Beteiligte - bis hin zu den Eltern, die sich auch immer wieder überzeugen möchten, was ihr Kind an dieser Stelle arbeitet und leistet. Der Lernplaner ist ein wichtiges Instrument der Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus im Hinblick auf das individuelle Lernen.

 

Herausforderungen und Perspektiven 

Lernzeiten bzw. Lernwerkstätten in einer oder zwei Jahrgangsstufen einer Schule zu etablieren, ist nicht so schwer. Es bedarf aber erheblicher Anstrengung sie für alle Jahrgänge mit den dort tätigen Lehrkräften zu etablieren - schließlich bleibt so gut wie niemand außen vor. Alle müssen ihren Beitrag zum Gelingen leisten, und sei es auch nur in Vertretungsstunden. Ohne einen gut funktionierenden Arbeitskreis in der Schule, kann das wohl kaum gelingen.

 

Natürlich hat die offenere und individualisiertere Arbeit in den Lernwerkstätten zur Folge, dass auch der Fachunterricht sich entsprechend weiterentwickeln muss - mit immer geeigneteren Aufgabenstellungen, mit Diagnoseinstrumenten, die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Selbsteinschätzung und auch die beteiligten Lehrkräfte unterstützen, mit abgestimmten Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Meist steht wohl - wie auch bei uns an der Schule - die Defizitwahrnehmung und -bearbeitung stärker im Fokus. Immer deutlicher wird, dass die Stärken- und Begabungswahrnehmung sowie deren Förderung mindestens genauso stark Beachtung finden muss, will man den individuellen Voraussetzungen gerecht werden.

 

Wir haben uns vorgenommen, die an unserer Schule schon vorhandenen Elemente individueller Förderung (z.B. Förderunterricht, Vorhilfe, Lerncoaching) noch stärker untereinander und mit dem Unterricht zu vernetzen, um eine noch höhere Motivation und Akzeptanz in der Schüler- und Lehrerschaft zu erreichen.

 

Unsere Vision von selbstständigen Lernern bleibt dabei für uns handlungsleitendes Element.

 

Literaturhinweise

(s. Downloads)

 

Unsere Arbeiten zu den Lernzeiten und zur Lernwerkstatt werden inzwischen auch weit über unsere Schule hinaus wahrgenommen und finden anerkennende Beachtung. Als bewährtes Beispiel werden auf dem Server der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule die bei uns entwickelten Arbeiten vorgestellt.

 

Lernzeiten am Gymnasium – Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und Praxisbeispiele Gerken, Ute (Hrsg.) (2014): Lernzeiten am Gymnasium – Rahmenbedingungen, Voraussetzungen und Praxisbeispiele. Lernpotenziale Heft 2, Münster: Serviceagentur "Ganztägig lernen" NRW, Institut für soziale Arbeit. Darin insbesondere Wolfgang Weber, Nicole Bedminster, Dennis Trumpetter und Simon Wibbeler: Die Weiterentwicklung von Lernzeiten zur Lernwerkstatt, S. 27-31.